..]..grenzgebeat..[..
Dienstag, 6. Juli 2004
Neues im...
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solo für violoncello I
er stand auf, nahm einen kaffee und wusch dann, ganz wie es seine gewohnheit war an jedem morgen, sein HAUPT. anschließend, nach einem ersten cigarillo, nahm er die u-bahn in die STADT. scheinbar ziellos ging er umher, die noch nicht erschienen ausgaben der new york times vom kommenden tage wehten bereits vom wind getrieben über den time square. ein MALER kreuzte seinen weg, eine leiter auf der schulter, er aß ein EI.
HAUPTsache es regnet nicht, dachte er und setzte seinen fußmarsch in richtung STADTbibliothek fort. dort angekommen ließ er sich ein faksimile von bach´s partituren geben - "solo für violoncello" stand in steiler, altertümlicher handschrift auf dem deckblatt. ein weiteres MAL wollte ER nun in den noten nach zwei eingestrichenen fis suchen, die er während EInes konzerts von yo yo ma in einem der sätze zu hören geglaubt hatte. die blätter raschelten leise beim umblättern, die ersten töne der komposition bahnten sich ihren weg in sein bewusstsein.

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Mal ernsthaft...
...ich bin ja ein wenig neidisch auf Deinen Berlintrip...:))

Und der Tower...ich hab da wohl 2 übersehen...ich denke ich geh gleich mal schauen...:)

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hamburg(er)
draußen auf kaution lohnt immer...
denn der glücksbaron wartet schon an
der nächsten ecke....

moinsensen...

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solo für violoncello II
er erinnerte sich noch genau an die worte seines nachbarn vor dem konzert in einem loft: "SEIEN SIE unbesorgt - der künstler kommt gleich". er hatte auf umwegen von der aufführung der solokonzerte durch ma erfahren. ma war in new york, probte gerade an der met und wollte es sich nicht nehmen lassen, für einen kleinen, exklusiven kreis einen abend zu geben. nur ein anruf bei einem freund, kultur-redakteur bei der nyt, hatte ihn davon überzeugt, dass die nachricht vom geplanten konzert ECHT SEI. EN passant wollte er den abend mitnehmen, nach einem spaziergang durch die viertel, und vor dem dinner mit einer freundin. doch nun, wo sich der beginn des konzertes verzögerte, wurde er doch unruhig.
das loft erinnerte ihn an die thomas-kirche in leipzig. zu zeiten der mccarthy-ära war er nach europa ausgewandert und hatte sich in der ddr einbürgern lassen. nicht aus politischen gründen - allein die tatsache dass er bach-forschung betrieb, dass er sich einem toten künstler widmete, der jenseits des eisernen vorhangs begraben war, hatte die behörden alarmiert. der zugang zu allen quellen wurde im untersagt, er konnte nicht mehr arbeiten. was lag da näher, als einen umzug in kauf zu nehmen, der ihn wieder näher an die archive der bach-partituren brachte. für ihn hatte bach SIE alle besiegt, kommunisten, kapitalisten, rote und schwarze.
das loft hatte den gleichen, von vielen füssen abgeschliffenen boden wie die thomas-kirche, und auch die brüche in der mauer erinnerten ihn an das kirchenschiff in leipzig, das direkt gegenüber von bachs wohn- und arbeitshaus lag. ECHTe partituren hatte er dort gesehen, die 15 jahre ddr hatten sich bezahlt gemacht.

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solo für violoncello III
sein freund ALEXANDER nahm neben ihm PLATZ, er hatte sich wie immer verspätet, aber sein erscheinen war ein untrügliches zeichen dafür, dass das konzert nun bald beginnen sollte, denn ALEXANDER PLATZte nie in eine aufführung hinein. irgendwie schaffte er es stets, noch vor dem ersten applaus, wenn der künstler die bühne betrat, in seinen sitz zu fallen, um dann aber sofort von der unruhe des herbei-eilens in eine tiefe versunkenheit des zuhörens hinüberzuwechseln.
er selbst schaffte das nicht. er brauchte zeit, um sich innerhalb des raumes zu orientieren, diesen in sich aufzunehmen. dann erst konnte die konzentration auf die musik stattfinden.
kurz vor seiner einbürgerung in die ddr hatte er noch in hamburg ein straßenkonzert an der DAVIDWACHE hören wollen. unmöglich, auf der straße: er konnte sich innerlich nicht sammeln, um den klängen von schönbergs streichquartett zu folgen, dargeboten von vier prostituierten, die sich auf dem kiez nach abbruch ihres musik-studiums kennen gelernt hatten. eine von ihnen wurde, soviel hatte er anschließend in leipzig über das westfernsehen erfahren, nach großem gerangel als erste weibliche geigerin in die berliner philharmoniker aufgenommen und feierte seither große erfolge. ein auf und ab, wie in bachs partituren, dachte er noch bei sich, mein leben plätschert dahin wie lange gitarren-soli von sigur ros.

er war ungefähr in der mitte der partitur angelangt. das konzert von yo yo ma in gedanken verknüpfte sich zusammen mit den noten zu einem wirren klangbild. fetzen von rhythmen, tonkaskaden und leisen atemzügen des virtuosen vermischten sich mit den haltebögen, notenhälsen und tempoangaben der partitur zu etwas eigenartigem, fremden. SEIEN SIE ECHT oder auch nicht, partituren bleiben immer etwas geheimnisvolles, ja übersinnliches, hatte im sein professor einmal gesagt.
er konnte dem nicht folgen, mit neuzeitlichen drucken von bachs partituren konnte er nichts anfangen, die stets gleich aussehenden noten nahm er nicht als individuelle töne einer bestimmten höhe wahr. nur feine unterschiede, die sich aus der handschrift des komponisten ergaben und jedem takt etwas eigenes, aus der kraft des klangs geborenes gaben, waren für ihn ein wahres abbild der musik.

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solo für violoncello IV
fis, warum hatte yo yo ma fis gespielt? der satz, in dem er die beiden töne entdeckt hatte, war in c-dur verfasst. das fis teilte die tonleiter, ein tritonus, der berühmt-berüchtige diabolo in musica.
sein blick fiel nach draussen - "SEIEN SIE ECHT" stand auf einem plakat zu lesen, er blickte durch das plakat hindurch.
es war nicht ungewöhnlich, dass musiker die partituren der alten meister bei ihren interpretationen variierten. unlängst war erst eine neueinspielung der goldbergvariationen eines jungen pianisten veröffentlicht worden - er hatte genial mit den registern gespielt. aber tonleiter-fremde töne?
ma hatte die wilden vierundsechzigstel HAUPTsächlich mit 140 bpm gespielt, dies hatte er im gefühl. STADTbekannte kritiker hatten wahrscheinlich wegen des hohen tempos nicht diese beiden fis bemerkt und ihre kritiken in der üblichen begeisterungsMALEREI verfasst, der er sich noch nie hatte anschließen können.

nichts. er klappte die partitur zu, nun war er sicher dass er sie auch nicht übersehen hatte. er musste an ma heran. "DAVID, WAKE UP" rief eine bibliotheks-angestellte einem sympathisch-abgerissenen stadtstreicher zu, der sich tagsüber ein wenig im lesesaal aufgewärmt hatte.

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...!
schön....
danke....

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solo für ER
ER sitz mit alexandER bei yo you ma und lauscht....
& vorher waren es die nutten in HH, die das saiten-instrument wie sigur ros streichten!
eine schöne geschichte....anmutig, frivol, lieblich....
auf deren fortgang ein heiland mit spannung sowie freude wartet!

gruß an bebel.....und die neptunes....

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solo für violoncello V
bachs musik ließ ihn nie in ruhe. motive, arpeggios, kaskaden - die musik ruhte scheinbar in seinen gedanken und bahnte sich ständig wild und unkontrolliert den weg in sein bewusstsein. eigenartig - die musik erklang in seinem kopf ohne einen rechten klang, er wusste nicht ob er geigen, oboen oder ein blechblasinstrument hörte, er hörte töne ohne klänge. lange war ihm dies nicht klar gewesen, bis ihn ein freund gefragt hatte, welchen klang die musik in seinem kopf habe. keinen, dachte er sich. so wie worte keine stimme haben, wenn er sie sich in erinnerung rief, so hatte die musik keinen klang. noch eigenartiger, noch schöner erschienen ihm nun die melodien in seinem geiste, er fragte sich ob er fortan auf den besuch von konzerten verzichten solle oder nicht.

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solo für violoncello VI
seither war er nicht mehr der alte. er fragte sich, ob er jemals der alte gewesen war. wurde er heute, so wie er sich nun wohl in seiner haut fühlte, als unecht von seinen freunden empfunden werden, die ihn lange als einen anderen gekannt hatten, als einen, der sich womöglich immer nur verstellt hatte?

es hatte damit begonnen, dass er die musik von bach entschlüsselte. was früher ein rätselhafter wohlklang für ihn gewesen war, stellte sich im laufe der zeit, nach intensivem hören und studium der partituren als geschickte, fast mathematisch genaue konstruktion von melodien heraus. die französischen suiten, das wolhtemperierte klavier, die matthäus-passion - früher waren sie von unerklärlicher schönheit, heute waren sie vertraut, klar und deutlich, wie ein freund, den man seit langer zeit an seinen gesten oder seinem gang erkennt.

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...seufz
...mehr!!!

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solo für violoncello VII
der schreibtisch war bedeckt mit noten, ebenso das alte klavier an der wand, platten-hüllen umzingelten einen schallplattenspieler, gelagert auf alten tonziegeln, es war nacht, der gleichbleibend helle lichtschleier der stadt warf weiche strahlen durch die sprossenfenster in den raum, indem sie sich liebten. meistens zu balladen von miles davis oder ruhigen suiten des altmeisters glass, von dem ein signiertes portrait über dem bett hing.
sie liebten sich stets ein wenig verschämt, ohne sich zu küssen, wie zwei intellktuelle, die sich ein bisschen ihrer lust schämten und sich nur ungern in den armen eines anderen verlieren. die musik stellten sie gerade so laut, dass sie ihr atmen nicht mehr hören könnten. ganz so anders wie der sex, den ihnen der zeitgeist versuchte vorzuschreiben. schatten verbargen unzulänglichkeiten des körpers, musik überdeckte das animalische, ein lautloses wogen, ein tanz mit jahrhundertealter choreographie.
danach genossen sie die entspanntheit, tranken einen nobile de montepulciano, den er von einer reise in die toskana mitgebracht hatte. der wein rollte schwarz durch die schweren gläser, und das dunkel des zimmers verbarg, dass sie beide ihre intimitäten genossen hatten, ohne sich dem anderen zu offenbaren.

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lieber pan-tone!
schon mal darüber nachgedacht,
diese zeilen in einem anderen forum
zu manifestieren, heraus zu bringen?
wäre doch schade wenn nur einige wenige dies zu lesen bekommen, oder???
ich freue mich auf jeden fall (schon fast täglich) über den fortgang der geschichte im grenzgebeat!
hier sei dem verfasser gedankt, ebenso danke nach bonn für die idee dieses gebietes!
ich hab gute laune mit euch....

beijo e tchau tchau

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Solo für Pan-Tone
Da schliess ich mich mal an und freue mich meinerseits, dass ich hier dieses Gebeat geschaffen habe, um solchen Sachen ein (wenn auch kleines) Forum gegeben zu haben.
:)

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untertunnelung
...schön unter der elbe!

heiland70 & störtebeker

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wat, wie, wer?
hasse besuch aus hamburgistan oderwie?

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solo für violoncello VIII
fis, c, fis, c, fis, c... er war alleine in der wohnung, über der stadt wurde die helle glocke der nacht rasch vom morgen verdrängt.
er saß am klavier und spielte abwechselnd die beiden noten, gewöhnte sich an den eigenartigen intervall, den viele komponisten als akustischen teufel der musik in ihren kompositionen zu meiden versucht hatten. erst das zwanzigste jahrhundert machte schluss mit diesen althergebrachten hörgewohnheiten. da es velen musikern an geschick fehlte, auf traditionelle weise ihre zuhörer in den bann zu ziehen, brachen sie alte regeln, um neues zu schaffen. so auch ma? zwischen tradition und moderne standen zunächst oft tabubrüche, um dann wieder zurückzukehren zur tradition.
er beschloss, eine konzertkritik für die nyt zu schreiben. darin wollte er auf die beiden falschen töne aufmerksam machen und hoffte, dass eine leserzuschrift seine untersuchungen mitunter in eine neue, hoffnungsvolle richtung lenken würde.
er wählte die nummer der redaktion und ließ sich mit ihr verbinden. sie hatte seine wohnung am frühen morgen rasch verlassen, um mit einer kuratorin des ICC in tokyo über die geplante präsentation einer interaktiven medienkunstarbeit eines kalifornischen künstlers zu sprechen. sie hatte von einem world generator gesprochen, der übersetzung von haikos, von einem kunstwerk, dass erst durch die besucher zum leben erweckt werden würde.

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solo für violoncello IX
seine kritik erschien unterhalb eines entrüstet verfassten beitrags über den neuen bildband eines ex-models. "revenge" von ellen von unwerth - erinnerte er sich des titels und einer reihe von schwarz-weiß-fotografien, die jenseits des atlantiks kaum für aufsehen gesorgt hätten. "In America, The land of the free, they said, but where the president, Is never black, female or gay" summte er leise vor sich hin, ironie war zwar nicht seine sache, aber sie verschaffte ihm eine angenehme distanz zu dingen, die er hinnehmen musste. denken statt trinken, so ging er mit den unanehmlichkeiten des alltags um.

Suite Nr. 3 C-Dur BWV 1009 für Violoncello solo - der stein des anstosses. seit der aufführung von yo yo ma in wien am 24. August 1992 hatte dieser die sechs suiten (BWV 1007 bis 1012) unverändert präsentiert. er knüpfte in seiner kritik an das legendäre konzert im kleinen festspielhaus zu wien an, das ihm mit seiner goldverzierten gipsdecke nie sonderlich sympatisch gewesen war. von da spannte er einen bogen zur aufführungspraxis von ma, bis hin zu den zwei, wie er fand, aufsehen erregenden fis, die nach seiner auffassung für einen aufschrei in der klassik-szene hätten sorgen müssen. er formulierte es etwas vorsichtiger, sprach zwischen den zeilen vom ende einer legende, die gängige partituren wider den strich bürstet anstatt den alten meistern wie gewohnt genau zu folgen. zuletzt ging er in seiner konzertkritik auf den klang des instruments von ma ein und monierte einen etwas zu nasalen klang im obertonbereich, der ihn an eine fistelstimme erinnere. das fis ließ er kursiv drucken und hoffte, dass diese kleinigkeit genügen würde, um aufmerksame zuhörer zu veranlassen, ihm einen hinweis zu geben.

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solo für violoncello X
ein leichter sommerregen legte sich sanft über die stadt. häuser und straßen hatten sich durch die hitze des tages so sehr erwärmt, dass sich die leichten regentropfen, die in den abendstunden fielen, sofort in dunst verwandelten und den boden mit kleinen, kniehohen nebeln bedeckten. fußgänger schreckten die dunstfelder auf und hinterließen durcheinandergewirbelte schwaden, die sich rasch wieder auf den boden legten. autos wurden umsichtig durch die scheinbaren hindernisse gesteuert, das licht ihrer scheinwerfer streute an den hauswänden empor und erhellte schwach die decke seines appartments, während der boden der wohnung in ein tiefes schwarz gehüllt war. hier und da zeichneten sich im raum blau-weiße rechtecke ab, die sich durch das streulicht der decke verrieten. er hatte die notenblätter nach gewohnter manier um sich verstreut, um alle kompositionen, die auf ihre vollendung warteten, stets im blick zu haben. nur so konnte er seine ideen in das sich entwickelnde gerüst eines abendfüllenden werks einbauen, dass er seit jahren mit sich herum trug und noch lange nicht abgeschlossen war.

er stand am fenster und war fasziniert von dem spiel der nebelschwaden und des lichts, vom gang der strahlen durch die umherschwirrenden wassertropfen, von der vorsichtigen und behutsamen art, in welche die stadt durch das eigentümliche wetter geraten war. die hektik war einer abwartenden, fast demütigen haltung gewichen - wenn der nebel sich verzog würde es wohl bald wieder laut und unübersichtlich wie immer zugehen. im westen blinkte hin und wieder ein wetterleuchten auf.

er hatte sich ein glas mit gut gekühltem sancerre eingeschenkt und sog den duft des weines ein, der sich perfekt mit der schwülen luft des abends vereinte. das glas war beschlagen (er hatte der unsitte getrotzt und keine eiswürfel in den wein getan, sein weißwein lagerte stets zwei bis drei grad unter der trinktemepratur, so dass er im glas genügend zeit hatte sich zu seiner vollen genussfähigkeit zu entwickeln). wein und wien, dachte er, wein ist kein amerikanisches getränk, sein erfolg beruht wohl nur auf der perfekten art der amerikaner, traditionelles der alten welt zu inhalieren und zu einer mode fortzuentwickeln. pinot grigio war en vogue. wien und wein, die stadt erinnerte ihn an seine kritik in der nyt, die er vor sieben wochen veröffentlicht hatte. niemand hatte sich seither gemeldet.

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solo für violoncello XI
er schlug das klangtagebuch eines befreundeten komponisten aus deutschland auf und beschäftige sich mit den monaten märz und april. denhoff hatte ihm eine partitur vermacht, nachdem sie sich im beethoven-haus in bonn kennen gelernt hatten.
er erstellte midi-files, um irgendwann ein komplettes archiv der 366 klänge für ein jahr zu besitzen. statt 365 hatte denhoff einen klang mehr komponiert, 1984 war ein schaltjahr gewesen, die partitur für februar wies 29 klänge auf. er mochte diese klare und strukturierte vorgehensweise der komponisten. sie erinnerte ihn an bach.
wenn er alle 366 klang-akkorde aufgenommen hatte, wollte er diesen charakteristische sounds zuordnen. doch wie sollten die 366 klänge arrangiert werden? ihn reizte die idee, jeden klang-akkord eine sekunde lang erklingen zu lassen. so würde er die klänge eines jahres in 366 sekunden revue passieren lassen, genau 6 minuten und 6 sekunden. "around the world in day" hatte ihn fasziniert, nun ging es "through the year in six minutes". ob denhoff diese variante mögen würde? er beschloss ihm eine kopie des arrangements zu senden, sobald dieses fertig gestellt sein würde.

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solo für violoncello XII
sie nahm ein kleines, schwarzes bändchen aus dem regal, eines von rund 40 exemplaren, und blätterte darin. deine tagebücher, fragte sie. nicht direkt, so etwas ähnliches, lautete seine antwort.
er hob seine kalendarien stets auf und blätterte hin und wieder darin. er fand eintragungen von premieren (stockhausen, oper köln), kürzel wie SN standen für ein dinner (hergeleitet vom deutschen "essen"), hochzeiten von freunden und bekannten (es wurden immer mehr, aber es widerstrebte ihm, der mode zu folgen).
die bändchen gaben ihm das gefühl, die verstrichene zeit ein wenig festzuhalten. so konnte er wie auf einer landkarte sein leben zurück verfolgen, die eintragungen glichen orten oder markanten geländepunkten, beim blättern wanderte er durch die zeit, entdeckte ein verloren geglaubtes gefühl, erinnerte sich an banalitäten oder einen besonders intensiven abend. ein jahr, sonst verschwunden für immer, ließ sich so erfassen, messen, nachvollziehen. er konnte sich nicht vorstellen zu sterben, wenn er es auch vornehmlich mit musiken von komponisten zu tun hatte, die längst tot waren. aber für ihn ruhte ihr geist in den partituren, der sich erhob, sobald die ersten klänge ertönten. musik war nicht nur gestaltete zeit, musik war das kondensat einer gefühlsregung, eines charakters, das abbild eines menschen.

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solo für violoncello XIII
er fand eine nachricht aus japan auf seinem computer: ein freund berichtete per email, dass es schwuel und heiss sei. er hatte sich fuer ein paar wochen nach tokyo begeben, um an einem libretto fuer das ballett eines befreundeten komponisten zu arbeiten. der freund kam nur muehsam voran - er hatte einige besuche bei verwandten zu erledigen, die traditionell eher umfangreich ausfielen und entsprechend einige zeit in anspruch nahmen. "ideen fallen leise wie ein sommerregen zur erde", die uebersetzung eines alten haikos hing ueber seinem klavier. sein blick schweifte ueber das handgeschoepfte papier hinter glas, auf dem ein begnadeter asiatischer handschriftenmeister aus china town diese weisheit fuer japanische zeichner und musikanten verewigt hatte. eine landschaft aus tusche-strichen, die besonders aus der naehe betrachtet ein wenig an neuzeitliche partituren erinnerte.

er machte sich auf den weg in das asiatische viertel. er erinnerte sich, dass er dort einmal ein kleines geschaeft gefunden hatte, welches sich auf die produktion von spieluhren spezialisiert hat. nach einigem suchen fand er es wieder und ging hinein. der dunst einer winzigen garkueche im nebengebaeude drang durch den stoff, welcher über die rissigen waende gespannt worden war.
seinen auftrag konnte der spieluhrenbauer rasch erledigen. er gab ihm ein notenblatt, auf dass er eine komposition, ein schlaflied fuer seinen neffen, verfasst hatte und schaute dem alten meister bei seiner filigranen arbeit zu. dieser bestueckte eine kleine walze mit winzigen metallzungen, welche sich drehen und dabei kleine staebe zum erklingen bringen wuerde. eine einfache mechanik wurde aufgezogen und brachte seine komposition zu gehoer, in gerade jenem ruckelnden und unsteten metrum, dass fuer die spieluhren so charakteristisch war und seinem schlaflied die notwendige anmut von abendstimmung und beginnendem leben gab. er ließ zwei uhren bauen, eine dritte hielt der meister fuer sein umfangreiches archiv zurueck.

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solo für violoncello XIV
heimat, was war heimat. er sehnte sich nach einem ort, an dem er zusehen konnte, wie die menschen alt wurden, an dem er selbst dabei beobachtet wurde, wie er alt wurde, wo er sich schließlich selbst beim altwerden zuschauen konnte. er sehnte sich nach einem ort, den er an seinen geräuschen und gerüchen erkennen konnte, ein ort, an dem er so lange leben würde, dass sich der überdruss über das täglich wiederkehrende in zufriedenheit wandeln würde. er würde selbst zur heimat gehören, sein gang, seine gewohnheiten, seine gespräche mit den anderen würden das bild dieses ortes bestimmen. etwas würde fehlen, sollte er diesen ort verlassen. sein grab würde wie selbstverständlich auf den friedhof dieses ortes gehören.
er hatte sich den ort nie erarbeitet, dachte er betrübt. er lebte nun an einem platz, den viele gewählt hatten. zu viele, als dass ein individuum diesen platz mit hätte prägen können.

kurze zeit hatte er geglaubt, seine heimat gefunden zu haben. man erkannte ihn an den dingen die er tat, wenn man ihn auch nicht direkt anerkannte. aber er machte erste anzeichen dafür aus, dass man ihn vermissen könnte, sollte er den ort verlassen. er schloss freundschaften über generationen hinweg, das woher und wohin war gleich, auf eine unausgesprochene weise zählte die freude aller daran, den ort und die zeit gemeinsam zu erleben. doch er hatte es nicht vermocht, den überdruss am alltäglichen zu überwinden. er würde sich stets über die gleichen gespräche, die gleichen gesichter, die jährlich wiederkehrenden feste, den immer gleichen weg zum supermarkt und das sich nie ändernde angebot ärgern. dachte er.

nun, da er den ort verlassen hatte, wusste er, dass er zu früh gegangen war. er hätte es versuchen sollen. und wenn er nur noch einen tag gehabt hätte, um die zufriedenheitzu spüren, die heimat gefunden zu haben, es wäre es wert gewesen.

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solo für violoncello XV
watched the clown for a while - and he made me smile

er lehnte das uniformiertsein ab und amüsierte sich über menschen, die mit stolz welche trugen. dabei waren es nicht direkt erkennbare uniformen der armee oder des zivilschutzes, die ihn belustigten.
nein, er entdeckte bei dem ein oder anderen sozialen oder kulturellen ereignis immer wieder kleine zeichen, die am körper getragen wurden oder sich auch in der sprache oder gestik wiederfanden, mit welchen sich die menschen untereinander verständigten und darauf aufmerksam machten, dass sie zu dieser oder jener gruppe gehörten, eine position inne hatten oder mit einer gewissen haltung sympathisierten.

er erinnerte sich eines motorsport-events, dem er einmal auf dem land beigewohnt hatte. schon tage vorher wurden signale in der landschaft platziert. fähnchen schufen wege, wo selbst das geübte auge vorher keine entdeckt hatte. banner in den bäumen ließen eine vorahnung von lärm, rauch und sportiver hektik aufkommen. wagen wurden mit aufklebern verziert und parkten an exponierten stellen. am tag des ereignisses selbst konnte die gruppe der organisatoren an schlecht sitzenden overalls oder, falls eine entscheidungsposition signalisiert werden sollte, an blauen hemden mit dezenten stickereien auf dem kragen erkannt werden. zuschauer solidarisierten sich mit wahnwitzigen jacken und kappen, die vor werbung nur so strotzten.

ebensowenig mochte er die mitarbeiter in museen. wie stolz sie sich präsentierten, wenn sie in die gewaltigen foyers der musealen prachtbauten eindrangen, meist schlichen sie aus einer tür mit der aufschrift "kein zugang" und wirkten, als würden sie einen vorhang beiseite schieben, und stets mit einer karte oder einem ausweis in der hand, der als als schlüssel für eben jene der öffentlichkeit verschlossenen zugänge diente. war es der ausweis oder die funktion der person, die tatsächlich zugang zu den uneinsehbaren bereichen der ausstellungsanstalten gewährte? wahrscheinlich hing dies mit der größe der institution zusammen.

allen uniformierten war gemeinsam, dass sie ihre tätigkeit mit einer gewissen nachlässigkeit vollzogen. sie hatten eine fast schon arrogant zu nennende art, mit der sie ihre funktion ausübten. diesen zwiespalt, in welchem sich die uniformierten ohne ihr eigenes wissen befanden, amüsierte ihn. einerseits sorgten sie stets dafür, als teil eines ereignisses erkannt zu werden. hatten sie dieses ziel erreicht so taten sie alles, um eine möglichst große distanz zum ereignis zu schaffen. lässig und langweilig gaben sich die uniformierten, als wäre ihnen alles egal. eine antwort hierauf, warum dies so ist, wollte er nicht finden. es bereitete ihm schlichtweg vergnügen, diesem immer wiederkehrenden und stets neu zu entdeckendem schauspiel beizuwohnen.

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solo für violoncello XVI
das wort "ich" gehörte nicht zu seinen lieblingsworten, was nichts damit zu tun hatte dass er ungern von sich erzählte. aufrichtige aufmerksamkeit vorausgesetzt, plauderte er gerne über die dinge, die ihn bewegten.

nur ungern ertragen konnte er hingegen einen austausch über gedanken oder taten, die einem wettkampf glichen. oft war es ihm passiert, dass er ein stichwort gab und sich die egozentrischen auslassungen seines gegenübers anhören musste, bei der sein gesprächspartner dringend nach ähnlichen erfolgen, kleinen katastrophen des alltags oder neuen trouvaillen der konsumwelt fahndete, um die von ihm berichtete geschichte zu übertrumpfen oder zumindest den eindruck zu erwecken, dass er, der gesprächspartner, sich naturgemäß mit ähnlichen gedanken beschäftigte.
ihn langweilten solcherlei monologe, denn sie boten keinen ebenbürtigen und interessanten austausch der gedanken, sondern hatten nur das verbale und inhaltliche übertrumpfen zum gegenstand. nicht das er etwas gegen die erweiterung seiner eigenen gedanken gehabt hätte, ganz im gegenteil. diese war für seine arbeit von ungeheuerer wichtigkeit und hatte ihn ein ums andere mal in großen schritten weiter vorangebracht.
aber ihm war daran gelegen, dass der austausch wertneutral geschah, ohne eine person in ein besonders licht zu stellen. fortschritt der gedanken - unter diesem motto parlierte er gerne. einseitige debatten, die ihn in die bloße rolle des zuhörers und claqeurs drängten, lanweilten ihn, gelegentlich widerten sie ihn sogar an. die zeit schien ihm dabei durch die hände zu ringen. lieber verbrachte er sie mit nichtstun als in der rolle des einzigen zuhörers im theater eines übergroßen egos.

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intermezzo
der blick auf die totenanzeige hatte ihn zum rechnen animiert. er besah sich die ungefähre zeitspanne, die ein mensch zu leben hatte. 1924 bis 2003 war eines der beispiele, also rund 80 jahre.
dann malte er die jahreszahl vor sich auf, die nach dieser hochrechnung wahrscheinlich sein lebensende markieren würde. die bloße zahl wirkte bedrohlich nah. sie machte ihn traurig. er war unschlüssig, ob er sich nun rasend an das intensive auskosten der letzten vierzig jahre machen sollte. was tun, wenn man glaubt zu wissen, wann es zu ende geht?

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solo für violoncello XVII
es war der minimalismus, der ihn an der musik der neuzeit so faszinierte. die reduktion auf die wesentliche aussage, immer wiederkehrendes wie bei glass oder auch in der elektronischen musik. andererseits entdeckte er viel gleiches in kompositionen, die sich ähnelten. erik satie mit seinen trois gymnopaedies waren für ihn beispielhaft. er schätzte die kleinen änderungen in der musik, nuancen die es zu entdecken galt, wagner, wenn er sich zeit nahm, ein thema zu entwickeln.
gleiches fand er aber auch immer wieder bei bach. die solo-konzerte für violoncello waren ein akustisches konzetrat, alles überflüssige war weggeschnitten, es zählte die linie der melodie, ihre varianten, die tempi, der klang des instruments.

die musik reflektierte seiner meinung nach immer die herausforderungen der jeweiligen epoche, in der sie entstanden war. der minimalismus von glass, der in den tonlosen kompositionen von cage seinen höhepunkt fand, gab eine antwort auf die komplexität des zwanzigsten jahrhunderts. ein musikalischer pollock war nicht gefragt, wer aus der hektik der stadt in einen konzertraum flüchtete erwartete eine emotionale und intellektuelle antwort, die sowohl ruhe bot als auch ironisch auf die mode des keine-zeit-habens reagierte.

bach war seiner zeit voraus gewesen. seine großen werke nahmen diese aufgabe vorweg, wenn er auch, aus ökonomischen gründen, gezwungen war, gebrauchsmusik bei hof abzuliefern. aber auch hierbei vermochte er es, über das bloße handwerk hinaus regeln zu erarbeiten, die für seine gesamten kollegen, die sich nach ihm mit den 12 tönen auseinander zu setzen hatten, bindend waren.

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solo für violoncello XVIII
ob er hierauf etwas bekommen habe, fragte sie ihn und deutete auf seine konzertkritik von ma´s auftritt. nein, bislang nicht - er hatte seither die geschichte ein wenig verdrängt, war mit neuen veröffentlichungen der popular-musik beschäftigt gewesen und hatte selbst das ein oder andere werk von sich ein wenig vorangetrieben. dies kostete ihn immense mühe, er war nicht im stande länger als eine gute stunde zu komponieren. es fraß ihn auf, zehrte an den kräften. wenn ihm auch die musik ohne große korrekturen aus der feder floss, egal ob am klavier oder in gedanken, so sank er nach einem vollbrachten stück doch zurück und musste für einen neuen anlauf kräfte sammeln.

dabei vertrat er die theorie, dass der künstler, egal ob komponist, bildhauer oder maler, lediglich eine art hebammen-funktion hatte. das kunstwerk existierte: so wie die alle zwölf noten das zu schreibende stück bereits enthielten. so wie der stein die zu schaffende figur bereits enthielt. so wie die leinwand sich öffnete und die farben bereits das bild enthielten. der kreative geist musste nur den weg finden, ihn entdecken, durch einen zufall, eine eingebung, ein signal im alltag das andere nicht entdecken oder nicht für bemerkenswert erachten würden. er musste den weg finden, um das kunstwerk hervorzubringen.
so verstand er sich eher als helfende hand, als handwerker und tonmeister der kunst, denn als kreativer.

er hatte sich während der schaffensphase auch mit ganztonleitern beschäftigt und entdeckt, dass das fis eine ganztonleiter, wenn sie auf C beginnt, genau in der mitte teilt (Die Ganztonleiter ist eine hexatonische (sechstönige) Tonleiter, die nur aus Ganzton-Intervallen, also großen Sekunden besteht, schoss es ihm durch den kopf. Definitionen hatten oft etwas klares). lag hierin der schlüssel zum verständnis von ma´s beiden tönen, die er während des konzert im loft gehört hatte?
wollte ma auf die zentrale funktion bach´s in der musiktheorie hinweisen, indem er zwei zentrale noten pointiert heraushob? dann hätte ma jedoch ein falsches stilmittel gewählt. er wäre nie so naiv gewesen, mittels einer tonleiter auf bach´s zentrale rolle in der musik hinzuweisen, die bach selbst als abwegig und nicht rein klingende tonleiter nie verwendet hätte. erst die impressionisten nutzten die ganztonleiter, später wurde sie auch im jazz verwandt. bach hatte nur auf die alten kirchentonleitern zurückgegriffen. die verwendung der ganztonleiter hätte, so seine vorstellung, bach nie so populär werden lassen. in einer haltlosen zeit hätte eine tonleiter ohne halt, weil ohne basiston, keinen "gassenhauer" hervorzubringen vermocht.
die variante schied für ihn aus diesen gründen aus, so verlockend sie auch klingen mochte. dennoch diskutierte er sie mit ihr. sie bestätigte seine vermutung und ermutigte ihn, weiter nach den gründen für die beiden töne zu suchen, sie versprach, eine kontaktperson zu ma ausfindig zu machen.

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solo für violoncello XIX
schreiben war nichts heiliges mehr. er sah an sich herab, betrachte seine hände und finger, wie sie mit größter sicherheit, ohne zu zögern, traumwandlerisch treffend über die tastatur seines computers huschten und die einzelnen buchstaben- und zahlentasten trafen, als würde er eine französische suite von bach auf einem alten, geliebten steinway spielen. die tastatur war ein unschönes, wenig beachtenswertes gerät, wurde mehr traktiert als umsichtig genutzt, und war dennoch schnittstelle zu seinem gehirn, zu seinen gedanken, seinen gefühlen.

wie lieblos worte nun produziert werden konnten. anfangs war schrift etwas heiliges; es gab die schriftgelehrten, welche die magie und mystik der religiösen aufzeichnungen zu deuten verstanden. schrift war zugang zu gott, sie wurde nicht produziert, war eher schon immer da.
lange zeit blieb es so, wie es vielleicht immer hätte bleiben sollen; die mönche kopierten die bücher in stiller einkehr. sie malten eher als dass sie schrieben. buchstaben und worte waren immer noch abbild von etwas mystischem, hinter ihnen verbargen sich wünsche, hoffnungen, ängste. die werkzeuge dazu verlangten können, fertigkeit, die tiefe des niedergeschriebenen korrespondierte mit der aufwendigen und rituellen art, in der es produziert wurde.
der buchdruck kehrte dies um, und damit wurde auch das geschriebene immer banaler, wandte sich ab vom heiligen. in dem maße, in dem mehr und mehr an gedrucktem verbreitet wurde, in dem gleichen maße nahm das geheimnissvolle und schöne des geschriebenen wortes ab. worte wurden beliebig, nunmehr können sie beliebig oft kopiert werden. durch die masse verlieren sie an wert. ob er aus protest mit dem schreiben aufhören wollte? er lächelte in sich hinein ob dieses stillen protests und seiner verworrenen gedanken, ordnete sie neu und schrieb weiter. leise seufzend.

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solo für violoncello XX
irgendwann hatte er seine stelle bei der zeitung aufgegeben. er hatte das gefühl gehabt, dass seine tage nur noch aus dem ankommen im büro und dem anschalten seines computers bestanden. dazwischen gab es lange, quälende stunden, in denen er sich ohne lust durch beiträge hindurchschrieb, die ihm sein chefredakteur zugeteilt hatte. die abende, die er seiner eigenen musik widmete, statt über die anderer musiker zu schreiben, hasteten an ihm vorüber, kaum dass er etwas von den ergebnissen in den händen halten konnte.

er genoss seine neue freiheit und dreht zunächst zwei wochen seine runden auf einer kanarischen insel in einem gemieteten wagen, genoss den frischen fisch, unmengen an mojo-soße, versuchte die zigarren der insel und machte ausgedehnte spaziergänge zu den seltenen drachenbäumen.
im schatten eines "dragos" las er das vorwort zu schönbergs harmonielehre, entstanden zu beginn des zwanzigsten jahrhunderts. schönberg wandte sich eindringlich gegen das festgezimmerte ästhetische empfinden seiner zeitgenossen und fordert sie auf, neue, ungewohnte kompositionsmethoden und damit gewonnene höreindrücke nicht sofort zu verdammen sondern diese auch als neuen künstlerischen ausdruck zu akzeptieren und die hörerfahrung zuzulassen. schönberg hatte seiner ansicht nach recht: warum sollten beispielsweise quinten-parallelen nicht in kompositionen verwendet werden, wenn es der musikalische kontext zuließ? warum sollten akkorde nicht ihre erweiterung in nonen und quarten finden?

es war nicht uninteressant, dass etwa zeitgleich karl popper das neue modell des kritischen rationalismus entwickelte und die falsifizierung von wissenschaftlichen theorien forderte: jede these galt solange als wahr, bis sie widerlegt wurde. schwerpunkt wissenschaftlicher arbeit sollte es sein, gegenargumente zu theorien zu finden, um so deren richtigkeit zu überprüfen.
schönberg forderte gewissermaßen das gleiche. statt sich auf einen alten kanon an musik-ästhetischen gesetzmäßigkeiten zu stützen sollten neue möglichkeiten des musikalischen ausdrucks gefunden werden. deren ästhetische qualität sollte sich in den ohren der zuhörer beweisen, damit sie als neue gesetze gültigkeit erlangen könnten.

er war mit schönbergs ansicht einverstanden, wenn er auch dessen musikalische ergebnisse nicht teilte.

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...wird endlich gut! allerherzlichsten glückwunsch,...
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und, gibts was neues ?
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stimmt. hatte ich auch...
stimmt. hatte ich auch direkt nachgeschaut, wollte...
by komma5 (2005/06/24 00:35)
schöne Sache das...
schöne Sache das ! ... und schade dass die Auflösung...
by ego-s (2005/06/23 22:20)
ich schick mal n´paar...
by add 0 to 9 (2005/06/23 21:26)
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schon lange nicht mehr, aber eine gute idee ;)
by komma5 (2005/06/23 18:02)
Ich sehe genau...
...das du wieder Chickenstripes bestellt hast...
by puffin (2005/06/22 19:48)
Danke für ihren...
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